Endlich Sommerferien – Buchkapitel-4

Später gesellten sich noch Hankas Hühner dazu und warteten geduldig auf Kuchenkrümel. Ein Huhn hielt sich jedoch nicht an die Regeln und flatterte zuerst auf den freien Stuhl, dann auf den Tisch und landete direkt vor Rosa.

„Cäcilia!“ Rosa umarmte ihr Lieblingshuhn, griff vorsichtig unter Cäcilias Flügel und kitzelte sie unter den Achseln. Cäcilia gackerte und schüttelte sich dann schmiegte sie ihren Kopf an Rosas Hals. Rosa biss ein Stück Kuchen ab, zerkaute es, dann öffnete sie den Mund. Darauf hat Cäcilia gewartet. Vorsichtig begann sie die Krümel herauszupicken. „Muss das sein?“ Peter wandte sich angewidert ab.

Er liebte Tiere mindestens genauso wie Rosa, dennoch… bei der Vorstellung, ein Tier würde aus seinem Mund Essen herausfischen, wurde ihm ganz flau. „Vielleicht hat sie vorhin einen widerlichen fetten Wurm gefressen und jetzt sind seine Reste in deinem Mund“ stichelte er. Doch Rosa beachtete ihn nicht. Geduldig wartete sie, bis Cäcilia den letzten Rest aus ihrem Mund gepickt hat. Dann setzte sie Cäcilia auf ihren Schoß, wo sie augenblicklich wegschlummerte.

Endlich Sommerferien - Lieblingshuhn.jpg
Rennende Henne – Quelle: Wikimedia

Am späten Nachmittag verkündete Herr Abenteuer, dass er nun nach Hause fahren müsse. „Das Museum wartet auf meine Vorschläge zum Umbau und ich habe erst die Hälfte bearbeitet.“ Dann wandte er sich an Rosa: „Mach mir keine Schande, Kind. Peter, pass gut auf sie auf. Wer weiß, was ihr in diesem Sommer spannendes einfällt.“ Er umarmte seine Tochter herzlich und küsste sie auf den Scheitel.

Dann klopfte er Peter auf die Schulter und wollte Hanka auch nur ganz kurz umarmen. Daraus wurde aber nichts, dann Hanka ließ es sich nicht entgehen, ihn nochmal an sich zu pressen, sein frisch gekämmtes Haar zu verwuscheln, ihn zu ermahnen mehr zu essen, weniger zu arbeiten und langsam zu fahren.

Was Rosa betraf, waren Herr Abenteuers Bedenken nicht ganz unbegründet. Er erinnerte sich sehr genau an den Tag im letzten Sommer, als er im Dorf angekommen war, um Rosa abzuholen und von einigen Dorfbewohnern förmlich überfallen und mit Klagen über seine Tochter überschüttet wurde.

Er dachte auch an die arme kleine Ringelnatter, die sich an einem ungewöhnlich kalten, verregneten Julitag in Hankas Hof verirrt hatte und dort zusammengerollt einfach liegen blieb. Rosa fand das arme Ding, hob es ohne viel zu überlegen auf und brachte es in Hankas Gästezimmer.

Hanka vermietete dieses Zimmer an Sommergäste, um ihre Kasse etwas aufzubessern. Auch letztes Jahr hatte sie Gäste aus der Stadt. Ein fades, maulfaules Ehepaar. Ausgerechnet in ihr Bett legte Rosa die zu Tode erschrockene, eiskalte Schlange, deckte sie zu und brachte ihr eine Wärmflasche. Das kleine Ding ringelte sich augenblicklich um die Wärmflasche und schlief vermutlich ein.

Am späten Nachmittag kamen die Gäste von ihrem Ausflug zurück und es kam, wie es kommen musste. Die Frau schlug die Bettdecke zurück mit dem Gedanken, sich endlich in ein weiches, warmes Bett fallen lassen zu können und erstarrte vor Schreck. Vor ihr lag die Schlange, auf einer Wärmflasche und zischte beleidigt. Die sonst so beherrschte Frau schrie so laut auf, dass selbst Hankas Nachbarn angelaufen kamen. Alle schrien durcheinander, fuchtelten mit den Armen, die Natter zischte. Nur Hanka blieb ruhig.

Endlich Sommerferien - Ringelnatter
Ringelnatter – Quelle: Wikimedia

Geistesgegenwärtig packte sie das Tier, trug es hinaus und ließ es im Garten am Kompost frei. Die Gäste ließen sich freilich nicht beruhigen und reisten noch am selben Tag ab, nicht ohne sich über „das Gör“ auszulassen und zu versichern, dass sie nie wieder ihren Urlaub bei Hanka verbringen würden, solange dieser unverschämte Balg bei Hanka wohne. Denn die Idee, sie mit Schlangengift umzubringen, sei zweifelsohne auf seinem Mist gewachsen.

Es halfen keine Entschuldigungen und Beteuerungen, dass Ringelnattern nicht giftig seien und dass es einfach eine lebensrettende Maßnahme gewesen sei. Sie reisten noch am selben Tag ab. Rosa und Peter waren insgeheim sehr glücklich über diese Entwicklung, denn sie mochten diese Leute nicht, die ständig an allem etwas auszusetzen hatten.

… weiter geht’s hier zum 5. Teil von „Endlich Sommerferien“ (Veröffentlichung am 12.02.2019)

Autorin: Hania Borys
Setting: Kinderbuch – vorläufige Veröffentlichung der Kapitel vor Buchverkauf
Tags: Kinderbuch, Kinderabenteuer,
Mehr über Hania Borys sowie alle Links zu ihren Buchkapiteln findest Du auf ihrer Gastautorenseite. Wir hoffen, die heutige Geschichte hat Dir gefallen. Teile sie doch mit Deinem Freunden auf den Social Media und schau bei der Gelegenheit nach, wo wir Dich gerne mit mehr literarischer Unterhaltung begrüßen.  Diese Kurzgeschichten sind Literaturhäppchen für Dich, wenn Dir die Wartezeiten zu einem neuen Buch zu langweilig sind, wenn Du gerne zwischen zwei Büchern Abwechslung brauchst.

Leave a Reply