Endlich Sommerferien – Buchkapitel-5

Herr Abenteuer musste schmunzeln, als er an dieses Ereignis zurückdachte. Er liebte seine Rosa, auch wenn er es nicht zeigen konnte. Umständlich stieg er in das kleine Auto, winkte noch einmal zum Abschied und fuhr los. Es beruhigte ihn zu wissen, dass Rosa bei Hanka bestens aufgehoben war, denn ganz gleich was sie anstellte, Hanka stand immer hinter ihr.

„Wo sind eigentlich die anderen? Kinga und Agnes, Marius und Bozerl und Roman?“ fragte Rosa und stopfte sich noch ein Kuchenstück in den Mund. Cäcilia machte sich bereit und sie musste nicht lange warten. Rosa öffnete den Mund und Cäcilia pickte ein paar Krümel von ihrer Zunge. Peter verdrehte die Augen, sagte aber diesmal nichts.

„Kartoffelkäfer sammeln“ antwortete Hanka. „Es ist eine wahre Plage dieses Jahr. Man sammelt sie ein und am nächsten Tag sind genauso viele wieder da. Wir müssen jeden Tag aufs Feld, sonst wird das nichts mit der Kartoffelernte dieses Jahr. Morgen kommst du mit, nicht wahr, mein Herz?“ „Klar komme ich mit, Peter auch, oder?“ zwitscherte Rosa.

Peter wurde übel. Wenn er eines hasste, dann war es genau das; die gestreiften Viecher mit der Hand von dem Kartoffelgrün zu klauben, in ein Glas mit Deckel zu stecken und zuzusehen, wie sie erstickten. Und damit nicht genug. Die Biester klebten an den Händen fest, so dass man sie fast zerquetschen musste, um sie von der Haut zu entfernen.

„Igitt“ entfuhr es Peter bei dem Gedanken. „Morgen früh um 5 geht es weiter mit dem Einsammeln“ sagte Hanka unbeeindruckt, während sie die Teller spülte. „Was muss, das muss. Danach könnt ihr schwimmen gehen. Es wird nämlich sehr heiß werden. Noch viel heißer als heute.“ Rosa gähnte und streckte sich. Langsam wurde sie müde, obwohl es noch gar nicht so spät war.

Heute würde sie früh schlafen gehen, doch vorher wollte sie unbedingt die Tiere begrüßen. „Wir gehen noch in den Stall“ verkündete sie und gähnte gleich nochmal. „Ich will noch die Kühe streicheln und die Ziegen sehen. Die kenne ich noch gar nicht. Und die Hühner ins Bett bringen natürlich. Komm Peter!“ „Geht nur“ antwortete Hanka fröhlich.“ Sie freuen sich bestimmt. Ich habe nicht so viel Zeit, sie so ausgiebig zu streicheln wie du und du weißt, dass sie es sehr lieben, gestreichelt zu werden. Außerdem musste ich sie heute schon mittags von der Weide holen“ fuhr Hanka fort, während sie die Teller und Tassen abtrocknete. „Es war einfach zu heiß. Ich hatte Angst, dass sie Sonnenbrand bekommen. Seitdem liegen sie im Stall herum und langweilen sich.“

Hanka strahlte. Sie war einfach glücklich, ihre Enkelin wieder bei sich zu haben. Natürlich liebte sie Nepomuk, ihren Sohn und Rosas Vater. Aber die Liebe zu ihrer Enkelin war besonders. Vielleicht, weil Hanka als Kind genauso wild war wie Rosa, aber nicht wild sein durfte. Und alles, was sie selbst als Kind nicht durfte, erlaubte sie ihrer Enkelin. So einfach war das.
„Die Hühner brauchst du nicht ins Bett zu bringen!“ rief sie Rosa zu. „Sie schlafen auf der Veranda in den Blumentöpfen!“ „Und die Wachteln?!“ rief Rosa im Vorbeigehen. „Die könntest du bei den Ziegen antreffen. Neuerdings schlafen diese komischen Vögel auf den Ziegen!“ rief Hanka zurück. Doch das hörten Rosa und Peter nicht mehr.

Der Stall roch göttlich. Nach Stroh und Schweiß. Geräuschvoll sog Rosa den Geruch ein. Hier fühlte sie sich wohl. Die Kühe begrüßten sie mit leisem Muhen. Erschöpft von der Hitze lagen sie im Stroh. Rosa küsste jede einzelne. „Meine liebe Phoebe“ sie schmiegte sich an Phoebes Kopf und küsste sie auf die Augen. Dann war Maria an der Reihe, dann Magdalena, Junia bekam extra Küsse auf die Augen und schließlich Lydia. Lydia war Rosas Lieblingskuh.

Endlich Sommerferien - Kühe
Kühe – Fotoquelle: Von J Doll

Und Rosa war Lydias Lieblingsmensch. Manchmal nahm Rosa Lydia einfach mit, wenn sie spazieren ging. Sie brauchte keine Leine, denn Lydia folgte ihr auf Schritt und Tritt wie ein Hund. Doch jetzt lag sie schwer atmend auf der Seite und zwischen ihren vorderen und hinteren Beinen wölbte sich ein beachtlicher Hügel von Bauch. Behutsam legte Rosa ihre Hände darauf. „Oh je, Lydia, du hast es wirklich schwer. Bei der Hitze schwanger zu sein, ist sicher furchtbar.“

In der Zwischenzeit hatte Peter sich zu den Ziegen gesellt und genoss das Knabbern des jungen Ziegenböckchens an seiner Hand. Die Wachteln fiepten leise, das Stroh roch wunderbar…ach, war das herrlich. Peter schloss die Augen und genoss den Moment. „Ich werde verrückt!“ rief Rosa. „Peter, komm her! Das Baby hat sich bewegt! Ich habe es genau gespürt!“.

… weiter geht’s hier zum 6. Teil von „Endlich Sommerferien“ (Veröffentlichung am 19.02.2019)

Autorin: Hania Borys
Setting: Kinderbuch – vorläufige Veröffentlichung der Kapitel vor Buchverkauf
Tags: Kinderbuch, Kinderabenteuer,
Mehr über Hania Borys sowie alle Links zu ihren Buchkapiteln findest Du auf ihrer Gastautorenseite. Wir hoffen, die heutige Geschichte hat Dir gefallen. Teile sie doch mit Deinem Freunden auf den Social Media und schau bei der Gelegenheit nach, wo wir Dich gerne mit mehr literarischer Unterhaltung begrüßen.  Diese Kurzgeschichten sind Literaturhäppchen für Dich, wenn Dir die Wartezeiten zu einem neuen Buch zu langweilig sind, wenn Du gerne zwischen zwei Büchern Abwechslung brauchst.

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