Endlich Sommerferien – Buchkapitel-6

Peter krabbelte hinüber und legte seine Hände auf Lydias Bauch. „Oh ja, es bewegt sich nicht nur, es tritt richtig. Arme Lydia. Wird von ihrem eigenen Kind misshandelt und das noch, bevor es auf der Welt ist. Es geht wohl allen Müttern so.“ „Ach was, du Naseweis. Woher willst du wissen, dass die Mütter leiden, wenn sie ihre Babys spüren?“ „Hm, keine Ahnung, aber wenn ich mir vorstelle, ich hätte etwas im Bauch, das mich boxt und tritt und ich nicht zurück boxen könnte… Das fände ich unfair. Jedenfalls bin ich froh, dass ich ein Junge bin.“

Rosa gluckste. „Echt? Würdest du dein eigenes Baby boxen wollen?“ „Na ja, ganz leicht halt“ Peter grinste. „Moses, gib mir einen Kuss“ Rosa legte sich neben den Stier, schmiegte ihre Nase an seine und kratzte ihn unter dem Kinn und hinter den Ohren. Er ließ sich diese Zärtlichkeit ohne Widerstand gefallen. Mit halb geschlossenen Augen genoss er das Kratzen. „Wo ist dein Kopfkissen, Moses?“ fragte Rosa.

„Paco ist jagen. Wahrscheinlich frisst er gerade ein Babyhäschen oder seine Mutter, oder sogar beide.“ beantwortete Peter ihre Frage gähnend. „Jedenfalls gehe ich jetzt schlafen“ verkündete er. “Ich bin gestern und heute um halb fünf aufgestanden, wegen der ekelhaften Kartoffelviecher.“ Er gähnte nochmal. „Und morgen schon wieder. Du bist doch dabei morgen früh?“ „Klar. Ich will dein Gesicht beim Einsammeln sehen“ feixte Rosa.

„Außerdem treffen wir doch die anderen auf dem Feld. Kinga und Agnes, Marius und Bozerl und Roman. Darauf freue ich mich schon.“ Rosa küsste Moses ein letztes Mal, nahm Peters Hand und zusammen verließen sie den Stall. „Ich lauf dann mal zu Oma, wir sehen uns morgen. Schlaf gut“ sagte Peter. „Ja, bis morgen“ antwortete Rosa und umarmte ihm. „Auf zum Kampf gegen Kartoffelviecher“ raunte sie ihm zum Abschied ins Ohr. „Na danke, Rosa. Ich freue mich schon auf Kartoffelkäferalpträume“

Er kniff Rosa zwischen die Rippen und lief zum Gartentürchen. Winkend lief er die Straße hinunter zum Haus seiner Großmutter. Rosa ging zurück zum Haus. Lächelnd betrat sie die große verglaste Veranda. Auf dem Boden standen sechs große Blumentöpfe, in denen früher Rosen wuchsen. Doch jetzt befand sich in ihnen lediglich alte Blumenerde. Ausgerechnet diese Blumentöpfe haben die Hühner als ihre Nachtlager besetzt. Dort legten sie das eine oder andere Ei ab und einmal hat Hanka ein Huhn in einem der Töpfe brüten lassen. Heraus kamen drei, von der Erde ganz schmutzige Küken, die Hanka kurzerhand samt Henne in den Stall umsiedelte.

Sie gackerten leise, als Rosa den Raum betrat. Cäcilia hüpfte von einem der Töpfe hinunter und folgte Rosa in die Küche. „Da bist du ja. Ich dachte schon, du seist im Stall eingeschlafen“ Hanka nahm Rosa in die Arme und küsste sie auf die Stirn. „Ach übrigens, ich habe dir noch ein paar Latzhosen genäht. Sie liegen oben in deinem Zimmer auf dem Bett. Ich denke sie werden dir gefallen.“ „Oh danke! Ja, ganz bestimmt gefallen sie mir. Du denkst ja auch an alles, an die vielen Taschen, die ich unbedingt brauche und die Knöpfe und Reißverschlüsse. Du bist die Beste!“

Rosa schmiegte sich noch enger an Hanka. „Ja, ja, ich weiß, die vielen Taschen. Wenn ich dir schon keine Kleider nähen kann, weil du sie eh nicht trägst, muss ich mich anders austoben“ sagte Hanka kichernd. „ Bei der gelben Latzhose habe ich es sogar auf zwölf Taschen gebracht. Sieh sie dir an und wenn du an ihr noch ein freies Plätzchen entdeckst, dann nähe ich noch die dreizehnte Tasche an. „Zwölf sind genug, denke ich“ Rosa gähnte. „Da bin ich aber froh“ feixte Hanka. „Und jetzt ab ins Bett mit dir. Morgen früh gehen wir für zwei Stunden ins Feld, ich wecke dich um fünf.“ „Jaaaaa“ Rosa gähnte nochmal ausgiebig, küsste Hanka auf die Wangen und stieg die Treppe hoch zu ihrem Zimmer.

Glücklich ließ sie sich aufs Bett fallen, sprang sogleich auf, um die Latzhosen zu begutachten, um dann noch glücklicher zurück aufs Bett zu plumpsen. Hanka hatte ihr die schönsten Latzhosen der Welt genäht. Zwei Paar kurze, zwei Paar knielange und zwei Paar lange Latzhosen, verziert mit vielen Taschen, Schlaufen, großen Brusttaschen, in denen man Küken oder kleine Katzen transportieren konnte, mit bunten Knöpfen und glänzenden Reißverschlüssen.

Rosa sog den Duft – eine Mischung aus Stroh und Lavendel – tief in ihre Nase ein, dachte einmal kurz daran, dass sie sich noch die Zähne putzen wollte, dass morgen früh die Kartoffelkäfer auf sie warteten und schlief augenblicklich ein. Mai und Juni machten es sich auf der Bettdecke gemütlich, doch Cäcilia, die ebenfalls Rosa ins Zimmer gefolgt war, scheuchte sie kurzerhand vom Bett, legte sich vorsichtig neben Rosas Kopf und schlief ebenfalls ein.

Die Kartoffelkäfer mussten warten, denn am nächsten Morgen kam alles anders.

… weiter geht’s hier zu einem anderen Buchkapitel „Der Fluß“ aus dem Kinderroman (Veröffentlichung am 26.02.2019)

Autorin: Hania Borys
Setting: Kinderbuch – vorläufige Veröffentlichung der Kapitel vor Buchverkauf
Tags: Kinderbuch, Kinderabenteuer,
Mehr über Hania Borys sowie alle Links zu ihren Buchkapiteln findest Du auf ihrer Gastautorenseite. Wir hoffen, die heutige Geschichte hat Dir gefallen. Teile sie doch mit Deinem Freunden auf den Social Media und schau bei der Gelegenheit nach, wo wir Dich gerne mit mehr literarischer Unterhaltung begrüßen.  Diese Kurzgeschichten sind Literaturhäppchen für Dich, wenn Dir die Wartezeiten zu einem neuen Buch zu langweilig sind, wenn Du gerne zwischen zwei Büchern Abwechslung brauchst.

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